Bagan

Bagan ist die wohl die schönste Stadt in Myanmar und eine der beeindruckendsten Orte, die ich je besucht habe. Ich verbrachte fantastische Tage dort und während ich mittlerweile in Mandalay bin, wünsche ich mich zurück an diesem idyllischen, einmaligen und wundervollen Ort. Angekommen in Bagan bin ich um 4 Uhr morgens mit dem Nachtbus aus Yangon. Vorab habe ich viele ungemütliche Dinge über diese Busfahrt gehört, kann die Meinungen aber nur revidieren. Der Bus war zwar vollgestopft mit Menschen, mehrheitlich Birmanesen, die Klimaanlage blies mir die ganze Nacht über direkt ins Gesicht und die Musikvideos liefen in ohrenbetäubender Lautstärke. Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht heikel, denn ich habe die Fahrt, naja, nicht direkt genossen aber es war schon ein tolles Erlebnis. Beinfreiheit gross geschrieben. Wie gesagt bin ich sehr früh morgens angekommen und das Hotelzimmer war logischerweise noch besetzt. In der Lobby sassen drei Mädels aus Hong Kong und nach kurzem Wortwechsel beschlossen wir, uns gemeinsam den Sonnenaufgang anzuschauen, in der Hoffnung, unsere Zimmer würden nach dem Frühstück zum Bezug bereit sein. Was soll ich sagen, das war die beste Entscheidung des Tages.

 

Wir fuhren zu einer einsamen Pagode, welche wir mit Hilfe unserer Taschen-, Stirn und iPhone-Lampen bestiegen und genossen die Ruhe in der Dunkelheit. Was anschliessend folgte, kann ich fast nicht in Worte fassen. Der Sonnenaufgang war unvergleichlich, wunderschön und absolut beeindruckend. Wenn die ersten Sonnenstrahlen die tausend und abertausend Pagoden berühren und das ganze idyllische Bild sich in goldenem Licht ergibt, bleibt einem wirklich der Atem weg. Das einzige Geräusch für die nächste halbe Stunde war das Klicken unserer Kameras und ab und zu das Krähen eines Hahns. Anschliessend fuhr unser Guide uns zu einem Restaurant mit Samosa-, Donut/Croisson-Dingens Frühstück; sehr lecker. Da erst 9 Uhr war, entschieden wir uns für eine kleine Sightseeingtour, um einen ersten Eindruck von Bagan bei Tag zu gewinnen. Wie unser Fahrer uns mitteilte, fand gerade das alljährliche ANANDA TEMPLEFESTIVAL statt. Heute sei Vollmond und somit der letzte Tag. Wie viel Glück kann ein Mensch haben? Und so fuhren wir zum allseits bekannten Anandatempel um der Zeremonie beizuwohnen. Da ich nicht genau darüber Bescheid wusste, hat mich der Anblick beinahe umgehauen. Hunderte Mönche standen in einer Schlange, um die gespendeten Lebensmittel und Kyat in Empfang zu nehmen. Dieses Schauspiel war zwar von Touristen umringt aber sogar lokale Fernsehsender waren vor Ort und so fühlte es sich nicht sehr wie eine Touristenattraktion an. Nach etwa 3 Minuten verlor ich die Hongkong-Mädels bereits aus den Augen, und so streunte ich gerne alleine durch die Menschenmasse. Ich weiss nicht, wie viele lächelnde Gesichter mir entgegenblickten aber es müssen hunderte gewesen sein. Neben den Einheimischen hat mich sogar ein Mönch mit seinem Handy fotografiert und mein Haar bestaunt.

 

Eines lauen Abends beschloss ich, mir ein Fahrrad auszuleihen und die Gegend auf eigene Faust zu erkunden. Das ist wohl die beste Fortbewegung in Bagan, obwohl viele Touristen auch die elektrische Variante benutzen. Als die Sonne begann unterzugehen, beschloss ich, mir eine einsame Pagode zu suchen und steuerte bereits ein Ziel an. Diese Pagode schien verlassen zu sein, dementsprechend war auch das Tor verriegelt. Glücklicherweise (wie gesagt, ich weiss nicht genau, wie viel Glück ich verdient habe) war da ein Junge mit seinem Moped und er bot mir an, zu einer kleinen Pagode zu fahren, die zugänglich war. Ein unvergessliches Erlebnis mit diesem kleinen Malerknaben, der Voraus fuhr und dem ich beinahe nicht hinterhertrampeln konnte. Wir sassen also da und genossen den Ausblick und niemand weit und breit in Sicht, während die selbe Sonne, die am Morgen noch die Pagoden begrüsste, diese nun für die Nacht verabschiedete und ihnen das letzte golden-orange Licht schenkte. Genau so habe ich mir das vorgestellt. Nein halt, nicht einmal in meiner Fantasie habe ich mir das so vorgestellt.

 

Den grössten Wunsch konnte ich mir dann vor Ort tatsächlich erfüllen, vielen Dank an meine Familie, die mir dies auch mit ermöglicht hat: BALLOONS OVER BAGAN. Eine Ballonfahrt zum Sonnenaufgang. Mit $320 ein eher teurer Spass, sogar für europäische Verhältnisse aber ich weiss, dies war ein einmaliges Erlebnis und ich habe jede Minute genossen. Die Sicht aus der Luft ist eine ganz andere und die Weite und Vielzahl der Tempel wird einem da erst richtig bewusst. Glücksgefühl und Gänsehaut gleichzeitig. Am selben Nachmittag war ich dann mit einer Pferdekutsche unterwegs und mit Kutscher Pjing Pjing und Pferd flying rain erlebte ich einen weiteren tollen Tag mit vielen Tempeln, lachenden Menschen und gefühlten 50 Fotos mit einer Schulklasse. Ich liebe Bagan!

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